W. Thierse – ein bärtiger Solitär?
Samstag, 24. November 2007 | Autor: peno
Deutschland schickt seine besten Männer ins Präsidium des Deutschen Bundestags:
Gerstenmaier (1954-1969, gescheitert), Jenninger (1984-1988, gescheitert), Thierse (seit 1998, gescheitert), Lammert (seit 2002, gescheitert) …
- Zu den ersten Amtshandlungen Thierses zählte die Verteidigung der Diätenerhöhung. Das traf auf Zustimmung seiner BundestagskollegInnen. Thierse musste sich nicht entschuldigen.
- Mit moralisch erhobener Amtsstimme verteidigte Thierse 2001 eine PR-Kampagne, die Lea Rosh für das Holocaust-Mahnmal inszeniert hatte. Die peinliche Plakatierung („den holocaust hat es nie gegeben“) musste schnell zurückgezogen werden. Auch hier musste sich Thierse nicht entschuldigen. Schließlich ist Thierse der Mann mit dem „sauerkrautmäßigen Betroffenheitsbart“1. Das kann man dem hohen Amtsträger nicht anlasten.
Zur Last entwickelte sich aber Thierses Eingriff in fremde Familienangelegenheiten:
„Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“

Darüber mag man ja beim häuslichen Frühstück streiten können. Wie aber muss ein Vizepräsident des Deutschen Bundestags konstituiert sein, wenn er meint, seine mehr oder weniger idealen Frühstücksgedanken einer unbegrenzten Öffentlichkeit mitteilen zu müssen? Wie professionell denkt und handelt einer der höchsten Amtsträger dieser Republik, wenn er die weniger idealen, aber geradezu vorprogrammierten Folgen nicht erkannt haben will?
Das griechische Theater kannte die enge Verbindung von Tragik und Komik. Heute entfaltet ein Eklat erst dann seine volle Wirkung, wenn er sich mit einer komischen Erklärungs- und Entschuldigungsrunde verbindet: „nicht so gemeint … verkürzt zitiert … nicht autorisiert … ich entschuldige mich, weiß aber nicht wofür …“. Dieses Zeremoniell ist bekannt und weltweit üblich. Vielleicht sollten sich die politischen und kulturellen Eliten mal etwas Anderes einfallen lassen. Mein Gott, Wolfgang … das ist ja nur noch komisch.
Thierse-Aktuell:
- Diätenerhöhung: keine Äußerung
- Geplante Erhöhung der Parteienfinanzierung: keine Äußerung
- Datenerfassung/-speicherung: keine Äußerung
- by, in: Soester-Anzeiger vom 21.11.07 [↩]


Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft - kommentiert, glossiert und zur Diskussion gestellt.



