Vergessene Gründungsphasen
Montag, 18. Juni 2007 | Autor: peno
Nach vielen Fehlversuchen hat sich eine neue Partei gegründet: DIE LINKE.
Die Parteienlandschaft ist aufgeregt, durcheinander gewirbelt, verunsichert: Wie war das nur möglich? Haben unsere Geheimdienste/Sicherheitsorgane versagt? Haben wir Art. 21 GG, ev. auch Art. 18 GG zu großzügig ausgelegt? Waren unsere PR-Agenturen falsch programmiert? Fragen für die Generalsekretäre.
Auch für die Grünen war die Parteigründung schwierig und riskant. Im Archiv der Grünen liegen dicke Ordner zur Gründungsphase mit der Aufschrift „Polemiken“. Im Tenor waren die Reaktionen in der damaligen Parteien- und Medienlandschaft ziemlich einheitlich:
Chaotenverein, sektiererisch, politikunfähig, kein Programm, demokratiefeindlich usw … usw
Aus den Organisationsanfängen der Grünen:
- “Unvereinbarkeitsbeschlüsse” sollte es nicht geben.
- Personelle und inhaltliche Offenheit: Diskussions-, Überzeugungsprinzip
- Personelle Konkurrenzen
- So manch ein “Falscher” wollte bei den Grünen seine politische Heimat finden: Gruhl, Mechtersheimer, Otto Schily … und so manch ein anderer anfänglich umworbener Vorzeigekandidat.
- Heftige Flügelkämpfe
- Wirre Parteitagsbeschlüsse
- Und vieles mehr: Lustiges und Ernstes

Der hessische Ministerpräsident Börner (SPD) wollte die Joschka-Fraktion mit Dachlatten vertreiben. Wenig später musste Börner diesen Turnschuhen-Fischer als Landesminister vereidigen …
Viele Grüne wollen sich daran nicht mehr erinnern. Sie holen heute gegen DIE LINKE just die „Argumente“ aus der politischen Mottenkiste, die damals gegen sie selbst vorgebracht wurden. Der Konkurrenzdruck muss recht groß sein!
Vielleicht verstärkt dieser Druck den schon jetzt erkennbaren Ruck der Grünen gen Jamaika. Diese Farben versprechen zwar nicht „grün“, aber doch Ansehen und parlamentarische Pfründe. Die Grünen übernehmen mehr und mehr die Rolle der Mehrheitsbeschaffer, bislang eine Domäne der FDP. Westerwelle hat soeben die Losung ausgegeben: Brüder zur Mitte … Aus grünem Multikulti könnte alsbald ein nicht mehr identifizierbares Multicolor werden. Die Signale sind ausgestrahlt.
Dass die Altvorderen von CDU, CSU, insbesondere auch von der FDP auf die DIE LINKE hysterisch-aggressiv reagieren (z.B. “Ostpartei” - “PDS-Partei”), entspricht ihrem traditionell eingeübten Politik- und Gesellschaftsverständnis und ist somit pflichtgemäß.


Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft - kommentiert, glossiert und zur Diskussion gestellt.



