Man glaubt es kaum

Montag, 4. Mai 2009 | Autor: peno

Über viele Jahrhunderte hindurch ist die katholische Kirche mit Abweichlern, Ketzern, Heiden und Ungläubigen ziemlich rau und schroff umgegangen – jedenfalls nicht gerade zimperlich oder gar versöhnlerisch. Dem erpressten Bekenntnis folgte nicht selten der Foltertod. Heute verfährt man in der geläuterten „Benedictus-Kirche“ mit den Nichtgläubigen milder:
Der smarte Regensburger Bischof Gerhard Müller, ein emsiger und verlässlicher Missionssoldat des großen Benedictus, geht in seiner missionarischen Großherzigkeit sehr weit:

109bischof-gl-muller1„Ihr Juden, ihr Muslime und all ihr Anhänger irgendwelcher Götter: Für euch kann es keinen Heilsweg geben, so lange ihr aus eigener Schuld nicht an Jesus Christus glaubt.“
Fünf Milliarden atmen auf. Sie müssen dem Himmelspförtner also lediglich glaubwürdig darlegen, dass sie (z.B. wegen diverser Bischöfe und Päpste) also „ohne eigene Schuld nicht an Jesus geglaubt haben“, dann wird sich die Himmelspforte auch für sie öffnen, sie können gerettet werden und „endgültig zur Gemeinschaft mit Gott gelangen“.1

Vermutlich muss auch Bischof Müller wegen seiner Großherzigkeit alsbald eine Entschuldigungsrunde drehen.

  1. aus: Der Tagesspiegel vom 2.5.09 []

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Pro Reli – Pro Ethik

Freitag, 17. April 2009 | Autor: peno

Den wortgewaltigen Eiferern im Berliner „Pro-Reli / Pro-Ethik-Streit“ ist mit Worten wohl nicht mehr beizukommen, sondern nur noch mit Karikaturen. In einem Streit, der sich selbst karikiert:

108-pro-reli-klartext23

© K. Stuttmann

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In nomine Domini

Mittwoch, 18. März 2009 | Autor: peno

In studentischen Kreisen war damals – unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit - folgender Liedtext sehr beliebt:
Benedikt XVI.
Der Papst lebt herrlich auf der Welt … tra la la
er lebt von unsrem Ablassgeld … tra la la
er trinkt den allerbesten Wein,
d’rum möcht’ ich auch der Papst mal sein.

Doch nein: er ist ein armer Wicht … tra la la
Ein hübsches Mädchen küßt er nicht … tra la la
Er schläft in seinem Bett allein,
d’rum möcht’ ich auch der Papst nicht sein!

Durchaus möglich, dass in diesem scholastisch codierten Text die tiefere Erklärung für die neueste Botschaft unseres lieben Papstes an die vielen Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner zu finden ist. In seiner unendlichen Liebe und unergründlichen Weisheit verkündet Benedikt XVI., dass „Enthaltsamkeit, gepaart mit spirituellem Erwachen und Freundschaft für die Leidenden“ die besten, kirchlich erprobten Rezepte gegen Aids sind – viel besser und vor allem sehr viel gottgefälliger als die teuflischen Machwerke wie etwa Kondome und dergleichen!

Die Afrikanerinnen und Afrikaner werden es dem Heiligen Vater danken.

PS: Bekanntlich wird hinter der Hand immer wieder kolportiert, dass Benedikt zumindest in seinem gütigen Herzen ein heimlicher Pius-Bruder sein soll. Es scheint etwas dran zu sein. Jedenfalls soll Benedikt einen regen und regelmäßigen Gedankenaustausch mit Bischof Williamson pflegen.

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Mein Gott, Richard …!

Samstag, 31. Januar 2009 | Autor: peno

In seiner unendlichen Liebe und unermesslichen Weisheit hat Papst Benedikt XVI. vier im reaktionär-ultrakonservativem Sumpf irrlichternde Bischöfe in den gütigen Schoß seiner Kirche zurückgeholt. Einer dieser Bischöfe, Richard Williamson – nebenberuflich Theologieprofessor, zeigte sich aber recht undankbar und bereitete seinem Papst Verdruss:

„Der Holocaust ist eine Lüge, Lüge, Lüge“,

so ereiferte sich der begnadete Bischof. Wahrscheinlich gab es gar keine Gaskammern, in denen Juden ermordet worden sind … Es seien vielleicht 200 000 oder 300 000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen, aber kein Jude sei vergast worden.1
Bei passender Gelegenheit äußert sich Williamson auch zu Modefragen:

Hosen seien „eine Attacke auf das weibliche Geschlecht“.2

vatikan-wappen.jpgNach inzwischen altbewährter Manier entschuldigt sich der Bischof flugs, allerdings nur dafür, dass er dem Hl. Vater Leid und Probleme bereitet habe. Das ist schließlich leicht gemacht, ein Sinneswandel wäre da schon schwieriger. Und für Entschuldigungen hat Benedikt XVI. viel Verständnis. Vor nicht langer Zeit beleidigte der Papst die Muslime mit merkwürdigen Geschichtszitaten – und entschuldigte sich alsbald. Alles wieder in Ordnung. Dann beleidigte er die Juden durch obskure Gebetspassagen – und entschuldigte sich anschließend. Alles wieder in Ordnung. In der katholischen Kirche denken ja nicht wenige so wie Benedikt und Richard.
Den wegen seines billigenden Schweigens zum Holocaust vielfach gescholtenen Papst Pius XII. lässt Benedikt XVI. jetzt durch eine große Wanderausstellung reinwaschen, um ihn vermutlich schon bald in die erlauchte Schar der Heiligen aufzunehmen.
Entschuldigungsrituale beherrschen offensichtlich auch die Bischöfe der katholischen Kirche hervorragend.

Rechtsradikale Kreise haben die Botschaft des britischen Bischofs bereits begeistert aufgenommen. Horst Mahler z.B. fragt sich, warum er gerichtlich verfolgt wird, ein Richard Williamson aber unbescholten und frei herumlaufen darf.

  1. Zeit online und Spiegel online oder Wikipedia []
  2. Der Tagesspiegel vom 28.1.09 []

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Zivilgesellschaft

Montag, 17. Dezember 2007 | Autor: peno

auto-dafe.jpgNicht nur in den USA und in islamisch geprägten Ländern, sondern seit einiger Zeit auch im säkularisierten Europa wird ein zunehmendes Bedürfnis nach Religiösität behauptet.

Die neue Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung1 will ermittelt haben, dass ca. 70% der Deutschen religiös sind. Unter „Religiösität“ verbirgt sich dabei allerdings eine Vielzahl unterschiedlicher, mythischer, mystischer, moralischer und rational nicht fassbarer Vorstellungen:

„41 Prozent der Jüngeren glauben an eine Fortführung der menschlichen Existenz nach dem Tod. Und ein Viertel der Befragten in dieser Altersgruppe meint, dass man sich aus verschiedenen religiösen Lehren seinen eigenen Glauben zusammensetzen sollte.“2

Kirchliche Religionsgemeinschaften können mit ihren Glaubenslehren und ihrem Kirchenkult diese sehr abstrakten Vorstellungen nicht abdecken. Besonders die christlichen Kirchen verlieren Jahr für Jahr viele Tausend Mitglieder.

Der kirchliche Lobbyismus scheint sich verstärkt zu haben und immer erfolgreicher die säkularen Belange der Gesellschaften beeinflussen zu wollen. Hinter diesem Trend können sich auch – so vermutet der Philosoph H. Schnädelbach – konkrete Marktinteressen verbergen. Das gilt nicht nur für obskure Sekten, wie z.B. die zu Recht umstrittene Scientology.

„Ich halte die Vorstellung, dass der Mensch von Natur aus religiös ist, für eine These, hinter der das Interesse der Verteidiger der Religion steht. Die möchten so etwas wie ein religiöses Bedürfnis vorfinden, damit sie einen Markt für ihre Angebote haben.“3

Heutige Kirchenfürsten versuchen auch in Deutschland wieder Schritt für Schritt die säkulare Gesellschaft mit religiösen Gedanken zu durchdringen und religionskonforme Regeln durchzusetzen, stoßen dabei z.Zt. aber noch auf deutlichen Widerspruch:

„Es geht nicht darum, den Glauben zu unterdrücken. Aber wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, dass Kirchenvertreter die Moral gepachtet haben. Ethik ist keine Domäne der Religion, sie ist unser aller Domäne. Aufgeklärte, atheistische Menschen können genauso moralisch sein wie religiöse … Humanisten gehen in ethischen Fragen nicht von einem höheren Wesen aus, sondern vom konkreten, selbstbestimmten Menschen.“4

Der „selbstbestimmte Mensch“ hat sich nach 1945 erneut mit nationalen und supranationalen Menschenrechtserklärungen für ein ziviles Denken und Handeln Maximen gesetzt. Der Wertekanon dieser Erklärungen steht in einer langen, mühsam erkämpften historischen Tradition und hat zumeist Verfassungsrang erhalten. Eine moderne Gesellschaft kann ohne den religiösen Dekalog und ohne religionsinterne Streitigkeiten gut auskommen, nicht aber ohne Beachtung der zivilen Menschenrechtserklärungen.

Das Vordringen der Amtskirchen in die säkularen Bereiche eines Staates ist schwerlich mit religiösen Freiheitsrechten legitimierbar, sondern wohl eher mit unseligen, nicht unbedingt erhaltenswerten „Thron-Altar-Traditionen“ zu erklären. Z. Zt. versuchen die Bischöfe vor dem Bundesverfassungsgericht mit ihrer Klage („Recht auf seelische Erhebung“) neue Ladenöffnungszeiten zu verhindern. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch die Kirchen – wie die politischen Parteien – vom Staat einen Einnahmeausgleich für entschwundene Mitglieder einfordern – mit fragwürdiger Legitimation.

Religionsfreiheit schützt die Religionen in ihren internen Kernbereichen, berechtigt die Kirchenvertreter aber kaum, religiös geprägte Vorstellungen in der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Organisation einer zivilen Gesellschaft durchzusetzen. Eine moderne Zivilgesellschaft lebt von der Beachtung und konsequenten Durchsetzung des Grundrechtskatalogs, nicht von den religionsethischen Erklärungen kirchlicher Amtsträger.

„Wer behauptet, wenn die Menschen nicht an Gott glauben, dann ist die Moral bodenlos, der ist historisch und philosophisch ungebildet. Wir wissen seit Aristoteles, dass die praktische Philosophie, die sich über Fragen der Gerechtigkeit und des guten, gelingenden Lebens Gedanken macht, auf eigenen Füßen steht.“5

  1. „Religionsmonitor 2008“ []
  2. Der Tagesspiegel vom 17.12.07 []
  3. Herbert Schnädelbach, in: Der Tagesspiegel vom 16.12.07 []
  4. Bas Kast, in: Der Tagesspiegel vom 13.11.07 []
  5. Herbert Schnädelbach, a.a.O. []

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EKD-Synode

Mittwoch, 7. November 2007 | Autor: peno

Zu Beginn der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland proklamiert Bischof Huber eine neue Streitkultur:

  • „Religiöse Pluralität ist der Ernstfall der Religionsfreiheit.“
  • Moscheen ja, aber erst nach einer kritischen Auseinandersetzung über deren Ort, Größe, Gestaltung und Anzahl.
  • Den Satz „Gott ist Liebe“ gibt es nicht in jeder Religion.
  • Es ist unsinnig, aus den Einsichten der modernen Naturwissenschaften abzuleiten, es gebe keinen Gott.

Zum Ende der Synode soll man den “Stoßseufzer” Heinrich Heines vernommen haben:

Unbequemer neuer Glauben!
Wenn sie uns den Herrgott rauben,
Hat das Fluchen auch ein End -
Himmel-Herrgott-Sakrament!

Wir entbehren leicht das Beten,
Doch das Fluchen ist vonnöten,
Wenn man gegen Feinde rennt -
Himmel-Herrgott-Sakrament!

Nicht zum Lieben, nein, zum Hassen
Sollt ihr uns den Herrgott lassen,
Weil man sonst nicht fluchen könnt -
Himmel-Herrgott-Sakrament!

Ja: Die Kirchen haben Sorgen! Der Kampf der Religionen bleibt wohl eine „unendliche Geschichte“.

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