Gewiss: Klaus Ernst ist ein umtriebiger und fleißiger Mann:
- Zahlreiche Mandate im Parlament, in der Partei, in den Gewerkschaften, in diversen Aufsichtsräten prägen seine Biografie. Gegen innerparteiliche Vorwürfe wegen Ämterhäufung und dadurch entstehende Überforderung hat er sich erfolgreich zur Wehr gesetzt.
- Klaus Ernst ist auch sehr großzügig - wenn es um die Nutzung des bequemen und komfortablen Erste-Klasse-Service bei den Flugreisen für seine “dienstlichen”, natürlich im Auftrag und zum Wohle des Volkes abverlangten Verpflichtungen geht und er diese nicht mit seinem Porsche erledigen kann.
- Klaus Ernst kann aber auch sehr sparsam sein - jedenfalls wenn es um die Bezahlung seiner Reisekosten aus der Parteikasse oder gar aus eigener Tasche geht. Er läßt lieber den Bundestag bezahlen. Alles für das Volk, alles durch das Volk und alles zu Lasten des Volkes.
Erstreaktionen: Alles ganz legal! Richtig. Aber doch wohl nur nach den Regeln der politischen Gegner. Und von denen wollen sich doch gerade linke Mandatsträger („Funktionäre“?) absetzen. Auch Klaus Ernst (?). Dabei geht es gar nicht so sehr um jede Einzelheit dieser sogenannten Neid-Debatte, sondern vielmehr auch um die Chuzpe, mit der linke Funktionäre dieser “Neid-Debatte” begegnen. Für Klaus Ernst ist die Kritik an seinem Porsche, seinem Einkommen (immerhin monatlich ca. 13.000 EURO - soweit in der Öffentlichkeit bekannt geworden!) oder seinen Multifunktionen allenfalls eine böse „Neid-Debatte“, die mit seiner politischen und persönlichen Glaubwürdigkeit nichts zu tun hat - wie er meint. Er hat seine parteiinternen Kritiker im Griff, auch mit Hilfe des Hintergrund-Jongleurs Oskar Lafontaine.
Ach ja: „Linke müssen nicht arm sein“! So verteidigte vor einiger Zeit Lothar Bisky seinen mitstreitenden Lebemann Oskar Lafontaine. Und Klaus Ernst ist schließlich ein getreuer Gefolgsmann von Lafontaine.
Nein, Linke müssen nicht arm sein. Die Definitionen für “Arm” und “Reich” waren und sind umstritten. Seit eh und jeh. Weltweit. Klar und unbestreitbar ist aber, dass ein Klaus Ernst mit seinem Porsche, seinen Abrechnungen, seinem Gesamteinkommen nicht zu den Armen zählt. Muss er auch nicht. Aber zwischen “Arm” und “Reich” gibt es ja noch ein paar Abstufungen. Man wird darüber streiten dürfen, ob Klaus Ernst für sich die einzig richtige und für seine Partei politisch vertretbare Stufe gewählt hat.
Man darf gespannt sein, mit welchen Sprüchen der „Linke Luxus“ eines Klaus Ernst demnächst noch verteidigt wird, z.B.: Der Banker Ackermann verdient mehr! Und: Die kleinlichen Kritiken richten sich sowieso weniger gegen einzelne Funktionäre wie Klaus Ernst als vielmehr gegen die linke Gesamtpartei. Im übrigen handelt es sich ohnehin nur um eine kleinkarierte Neid-Debatte.
Warum müssen sich auch die verdammt hoch bezahlten Politfunktionäre der Linken solche Blößen geben? Für die Gegner der Linken ein gefundenes Fressen.
Die Debatte kommt in Gang. Und die nächsten Wahlen kommen auch.