Schweizer Garde angetreten

Montag, 20. August 2007 |  Autor: peno

Ob in der CSU, in der SPD oder in den anderen Parteien: Die Führungsspitzen stehen im Rampenlicht – und wollen das auch so. Die Führungsspitzen ziehen sich inner- und außerparteiliche Kritiken zu – und sind damit bisweilen überfordert.

Das gilt offensichtlich auch für die neue Linkspartei.

Aber mit Einschränkung:

Im Neuen Deutschland zitiert Lothar Bisky zustimmend seinen Parteigenossen Lau:

„Einer Protestpartei wie der Linken kann gar nichts Besseres passieren als wütendes Geschimpfe des Establishments.“1

Mag sein. Aber wer gehört nach dieser Doktrin zum „Establishment“?

Leider versucht sich DIE LINKE schon wenige Wochen nach ihrer Gründung gegen Kritiken mit den althergebrachten Mitteln zu schützen:

Seid einig, einig, einig … Kritik stört den Parteifrieden.

Die innerparteiliche Rollenverteilung sorgt dafür, dass aus der Schweizer Garde jetzt einer nach dem anderen hervortreten muss, um sich schützend vor die Parteipäpste zu stellen.

Zur Zeit leistet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst seiner Partei diesen Bärendienst2: Appelle, die Kritik zu unterlassen. Warnungen. Kritiken sind destruktiv, parteifeindlich motiviert, vielleicht sogar parteischädigend (?) und müssen überhört werden. Wir machen weiter so!

Selbstverständlich übernimmt auch der „quirlige“ Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi sofort die Rolle des Schweizer Gardisten und stellt sich mit Hinweis auf Lafontaines angebliche Verdienste bedingungslos und wehrhaft vor seinen Parteichef.3

DIE LINKE kann doch noch nicht vergessen haben, mit welchen Auswirkungen „sozialistische“ Parteien früherer Zeiten (SED, KPDSU …) Kritiken unterdrückt haben!

DIE LINKE weiß doch noch genau, mit welch untauglichen Mitteln ein Gerhard Schröder seine Macht gegen Kritiker abzusichern versuchte!

Muss der Parteivorstand der LINKEN schon jetzt zu einem „Maulkorb-Erlass“ greifen? Wenn ja: Wie viele werden sich dem beugen, werden kuschen und sich „auf Linie“ bringen lassen?

Alle, die nicht „ganz positiv populär in der Sprache der Mehrheiten“4 reden?
Von „ganz positiv populär in der Sprache der Mehrheiten“ zu „populistisch“ ist nur ein kleiner Schritt!

Wen oder was mag der Parteivorsitzende gemeint haben?

Gegen wen oder was wollen Klaus Ernst und Gregor Gysi vorgehen?

Eine „Protestpartei“, die bereits im Anfangsstadium Protest in den eigenen Reihen einengt oder gar unterdrückt, schafft sich unnötige Angriffsflächen und mindert ihre Erfolgsaussichten!

  1. J. Lau, zit. in: Neues Deutschland vom 18.8.07 []
  2. vgl. Der Tagesspiegel vom 17.8.07 []
  3. vgl. Der Tagesspiegel vom 20.8.07 []
  4. Lothar Bisky, in: Neues Deutschland vom 18.8.07 []
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Thema: Aus der Parteienlandschaft

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