Oskar Lafontaine - ein Problem
Montag, 18. Juni 2007 | Autor: peno
Führungseliten sind Aushängeschilder und Werbeträger großer Organisationen, mit Einschränkung auch Programmatiker. PR-Agenturen identifizieren Köpfe und Namen der Führungseliten programmatisch mit der Partei. Führungseliten stehen damit in besonderer Verantwortung. Das gilt auch für DIE LINKE:
- Dank emphatischer Redekunst findet Lafontaine zwar stets seine Claqueure, aber sein Mangel an Authentizität wird einer potenziellen Wählerschaft nicht lange verborgen bleiben.
- Lafontaine trat mal für, mal gegen die Hochrüstungspolitik des Westens ein.
- Lafontaine war es, der schon in den 80er/90er Jahren als saarländischer Ministerpräsident insbesondere mit arbeitsmarktpolitischen Wahlparolen am rechten Rand graste (damals noch im Namen der SPD!). Es scheint heute kaum anders zu sein.
- Der Lafontaine verschärfte als Ministerpräsident das Pressegesetz, um Veröffentlichungen seiner wirklichen und/oder vermeintlichen Verbindungen zum Rotlicht-Milieu abzuwehren. Die Pressefreiheit scheint noch heute für Lafontaine ein Problem zu sein. Aber vielleicht passt die Verteidigung eines solchen, bürgerlichen Freiheitsrechts noch immer nicht in das extravagante Politikverständnis des Sozialismus-Ausrufers Oskar Lafontaine.
- Lafontaines politische Positionen waren und sind instabil.
- Lafontaine hätte ohne den Resonanzkörper PDS nie eine Linkspartei mit Aussicht auf mehr als 2 bis 3% aufbauen können, obwohl die heute von der neuen Linkspartei angesprochenen Probleme seit vielen Jahren auch in den alten Bundesländern vorliegen.
- Lafontaine ist kein politisch glaubwürdiger „Anwalt der Armen und Entrechteten“.
Es war für die SPD beschämend, dass Kommentatoren ausgerechnet in der SPD den Spitzenpolitiker Schröder als „Brioni-Mann“ und Populisten charakterisieren konnten. Und zwar nicht ohne Grund!
Es ist besonders für DIE LINKE unklug, einen Spitzenpolitiker zu halten, der als „Schlemmer-Mann“, als Populist und Demagoge gehandelt werden, und zwar auch nicht ohne Grund! Leider glaubte L. Bisky vor einigen Monaten, Lafontaine verteidigen zu müssen: „Linke müssen nicht arm sein“! Fraglich, ob eine solche Position ausgerechnet potenziellen DIE LINKE-Wählern zu vermitteln ist.
Populisten und Demagogen haben in einer Linkspartei nichts zu suchen, schon gar nicht in den Führungsetagen.
Euphoriker erwarten für zukünftige Wahlen über 15%. In Deutschland ist das für DIE LINKE in nächster Zeit nur dann möglich, wenn mit populistischen Mitteln Wähler angezogen werden, die programmatisch nichts mit einer Linkspartei zu schaffen haben. Der „18%-Wahn“ eines J. Möllemann sollte Warnung sein!
„Solange nicht völlig klar ist, wo wir hinwollen, ist eine scharfe Sprache dazu angetan, dass sich Leute an uns ranhängen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen …“1
Dem ist zuzustimmen.
Auch André Brie will die “Außendarstellung der Partei nicht Lafontaine überlassen“. Brie fordert mehr Opposition in seiner Partei gegen Lafontaine. Kritische Leute dürften nicht eingeschüchtert werden.2
Auf den Basis- und Führungsebenen der Partei wird auch zunehmend das ”Sozialismus-Konzept” kritisch unter die Lupe genommen.


Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft - kommentiert, glossiert und zur Diskussion gestellt.



