Modern Times: Die wundersame Familie
Mittwoch, 10. Oktober 2007 | Autor: peno
Das war eine herrliche Zeit: Die Frau nur dem Herde geweiht … Wär’ das eine glückliche Zeit … (frei nach Albert Lortzing, Der Waffenschmied).
Es gab einmal ein Hausfrauenethos: Die gepflegt aussehende Frau sorgte in sauberer Wohnung dafür, dass die Kinder gut ernährt und schön angezogen waren. Getragen von ihrem Ethos, feierte die Frau ihre Freiheit als Errungenschaft, nicht berufstätig sein zu müssen. Der Mann – weil der das besser kann – hat die Arbeit draußen gemacht. Die Frau – weil sie dafür geeigneter ist – hat die Arbeit drinnen gemacht.1 Schön war die Zeit, so schön …
Die 68er, so Eva Herman, haben die herrlich schöne Zeit zerstört. Eva Herman ruft nun allerorten zum Widerstand. Osmotische Fäden führen sie in die Nazi-Zeit, sodann zu Bischof Mixa und zu Kardinal Meisner und … ach zu so vielen Anderen. Schließlich auch zu der im Saarländle mit dem Logo der Linkspartei munter agierenden, von ihrem Herrn Gatten Oskar Lafontaine gesponserten Christa Müller. Ein merkwürdiges Netzwerk.
Kann DIE LINKE über Saarlands Weingefilde hinaus mit Christas Romantikbildern punkten? Ja! Allerdings müsste Christa ihrem Gatten Oskar bei seiner „Arbeit draußen“ einen kleinen Seitensprung erlauben: Raus aus dem harten Bett seines „Sozialismus“ und rein in die weichen Federn eines romantisch idealisierten Bürgertums. Sauberes Bett, gepflegt aussehende Frau warten, ein gut genährtes Kind schläft. Lortzings aktualisierter Opern-Waffenschmied hätte Recht: Wär’ das eine glückliche Zeit …
Christa Müller / Oskar Lafontaine – DIE LINKE: Wer und was wird sich durchsetzen?
Lafontaine hat schon so manchen Coup gelandet. Zumeist allerdings Pyrrhus-Siege. Es ist möglich, dass Müller mit ihrem „Hausfrauenethos“ im Saarland punkten kann. Auch Lafontaine wird mit seinem „Nur-mit-Sozialismus-Spruch“ bei den Unverbesserlichen punkten können. Die inhaltlichen und prozentualen Zukunftsaussichten für die Linkspartei bleiben damit aber fraglich. Pyrrhus-Siege nützen im Widerstand gegen einen immer stabiler um sich greifenden restaurativen, neoliberalen Trend recht wenig.
- Textcollage nach Christa Müller in: chrismon, 10/2007 [↩]


Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft - kommentiert, glossiert und zur Diskussion gestellt.



