Mügeln: Grobe Taten - Feine Worte
Mittwoch, 22. August 2007 | Autor: peno
In jedem Jahr wird in Deutschland „Das Unwort des Jahres“ gekürt.
Vorschlag für das Unwort 2007:
„Fremdenunfreundliche Aversionsakte“
Hintergrund des Vorschlags:
In Mügeln (Sachsen) kommt es am 20.8.07 bei einem gut-deutschen Dorffest zu einem rechtsradikalen Gewaltexzess:
8 Inder werden beschimpft, durch die Straßen gehetzt, geschlagen und getreten.
Rechtsextremer Hintergrund wird – wie so oft - zunächst verneint. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen „in allen Richtungen“ ermitteln. Bürgermeister Deuse zeigt feinfühlig Verständnis - vielleicht auch im Hinblick auf seine Wählerschaft. Zu den „Ausländer-raus-Rufen“ meint Deuse:
“Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.”1
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Wolfgang Böhmer (CDU) spricht von „Aversionsakten“2 … Es herrsche eine „fremdenunfreundliche Grundstimmung“.3
Mit fein gewählter Sprache können brutale Sachverhalte verschleiert, geleugnet und verharmlost werden. Böhmer und Deuse offenbaren mit ihren Äußerungen auch eigene “Grundstimmungen” und reihen sich ein in die Vorreiter einer “Neuen Leitkultur“, deren Richtung zunächst für die CSU kürzlich G. Beckstein und E. Huber offen propagiert haben. Diese Leute müssen dann auch mitverantwortlich gemacht werden für das, was in Ost und West auf der Straße passiert. Die Straße ist zwar kein Spiegelbild der “Neuen Leitkultur”, aber auf deutschen Straßen finden sich fast täglich irrlichternde Reflexe dieser nationalkonservativen, die rechte Szene bedienenden Ideologie.
Gut gemeinte Spiel- und Erziehungsprogramme, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind nötig, reichen aber nicht aus, so lange nicht auch Kreise des nationalkonvservativen Bildungsbürgertums, insbesondere der gesellschaftlichen Eliten deutlicher in den Fokus der demokratischen Öffentlichkeit gerückt werden.


Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft - kommentiert, glossiert und zur Diskussion gestellt.




Donnerstag, 1. November 2007
Wenn es nur politisch korrekt ist, werden Täter gerne zu Opfern stilisiert.
Wer sich geirrt hat, sollte in der Lage sein, sich das auch einzugestehen.
Ermittler nehmen in Mügeln Inder ins Visier
06. Sep 2007 11:43
Knapp drei Wochen nach den gewalttätigen Ausschreitungen bei einem Stadtfest in Mügeln hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Inder aufgenommen. Der Grund: eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung.
peno (2.11.07, 16.35): Die oft mangelhafte Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaften bei vielen rassistischen Ausfällen – insbesondere zu Mügeln – ist bekannt. Die antidemokratischen Einstellungen zu vieler Menschen gerade in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist ebenfalls bekannt. Hinweise dazu finden sich hier z.B. in Neue Leitkultur, aber auch in anderen Einträgen. Ihr Kommentar bestätigt offensichtlich diese Einträge.