Lafontaine in der Toscana

Montag, 30. Juli 2007 |  Autor: peno

politinfos: Herr Lafontaine, Sie haben es schön hier auf Ihrem Landsitz in der Toscana.

Lafontaine: Ja, schon lange. Für mich ein schöner Rückzugsort. Ich hoffe, der Baulärm stört Sie nicht. Ich lasse gerade meinen Weinkeller ausbauen. Ein Linker darf durchaus auch stolz sein auf seine alten Weine. Ich lade Sie später zur Weinprobe ein.

politinfos: Danke. Aber zunächst ein paar Fragen. Sie wurden und werden weniger als Denker als vielmehr als Redner Ihrer jeweils bevorzugten Partei gehandelt. Ein Vordenker Ihrer jetzigen Partei ist André Brie. Brie hat zum innerparteilichen Widerstand gegen Oskar Lafontaine aufgerufen.

Lafontaine: Nun ja, Brie ist Ostler. Ich bin zwar kein Nordler, möchte aber dennoch mit Schopenhauer (oder war es Nietzsche?) etwas abgewandelt sagen: Ich bin Oskar. Ein Hyperboreer. Der Rest ist nur die Partei. Auch im alten Griechenland triumphierten die Sophisten. Sokrates musste Gift trinken.

politinfos: Wir haben aber auch mit Harald Wolf, einem Westler, gesprochen. Auch Wolf denkt über innerparteiliche Probleme nach. Kennen Sie das Interview mit Harald Wolf? Wolf musste aber noch kein Gift nehmen.

Lafontaine: Sie sehen ja selbst, mit wie vielenDingen ich mich hier beschäftigen muss. Ich kann nicht Alles lesen. Und außerdem …

politinfos: In der SPD scheint man mit Kurt Beck nicht ganz zufrieden zu sein. Man soll eine Depesche verschickt haben: Gerhard komm bald wieder, bald wieder zurück. Wir machen uns Sorgen. Bekümmert Sie das?

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© K. Stuttmann

Lafontaine: In etwa schon. Schröder als Gegenredner ist etwas schwerer zu kontern. Gerd und ich kommen schließlich aus derselben Rednerschule. Sein Brioni-Logo kann Gerd allerdings kaum erfolgreich gegen mich einbringen. Da wird er auflaufen. Nebenbei gesagt: Nach seinen Besuchen hier in der Toscana musste ich regelmäßig mein Wein- und Zigarrendepot kräftig auffüllen.

politinfos: Schröder könnte die SPD aber mit einem neuen Logo ausstaffieren: Gasprom. Haben Sie etwas dagegen zu setzen?

Lafontaine: Bitte verstehen Sie: Das möchte ich Ihnen nicht sagen.

politinfos: Wir haben mal wieder Wagner-Saison. Man hat Sie mit Ihrer lieben Frau in diesem Jahr noch nicht in Bayreuth gesehen. Früher aber doch regelmäßig.

Lafontaine: Richtig, aber da war ich ja SPD-Genosse. Heute ist es weder mir noch meinen Freunden gelungen, für mich Karten zu bekommen. Trotz honoriger Preisangebote.

politinfos: Verärgert Sie das?

Lafontaine: In der Verweigerung sehe ich den Beweis einer politisch begründeten Ausgrenzung. Die Kartenverweigerung, die ja sogar bis zu den von mir früher gern besuchten Salzburger Festspielen oder den Wiener Opernbällen geht, ist – wie ich immer gesagt habe – ein entlarvendes Zeichen für die gegen die Arbeiterklasse gerichtete, also antiproletarische Aura der dort herrschenden, dekadenten Bourgeoisie. Ich kann in Bayreuth, Salzburg und Wien nur noch Muttermale einer alten Gesellschaft erkennen. Bin daher froh, keine Karten bekommen zu haben. Das werde ich auch auf dem nächsten Parteitag in meine programmatischen Ausführungen einfließen lassen.

„Freiheit für BAYREUTH“ werden wir nicht nur mit, sondern nur durch den Sozialismus erreichen. Jedenfalls für einige von uns. Dem werden meine neuen Genossinnen und Genossen zustimmen.

politinfos: Und wenn nicht?

Lafontaine: Ich habe noch immer meine Toscana …

politinfos: Wir danken Ihnen. Wollten wir nicht noch zu Ihren alten Weinen gehen?

Wir verlassen den toskanischen Landsitz. Leicht verunsichert. Sollte A. Brie Recht haben? Kann Lafontaine für DIE LINKE ein Sprecher der Krankenschwestern, der Hartz IV-Empfänger, der Entrechteten und Enterbten sein? Zweifel.

Zweifel können aber auch zum Nachdenken veranlassen. Bisweilen sogar Veränderungen bewirken … Zweifel schließen auch Hoffnungen nicht aus … Gysi und Bisky halten sich zwar noch sehr bedeckt. Aber z.B. Petra Pau und Andere greifen die berechtigten Zweifel auf  …

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Thema: Interviews

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