Thilo Sarrazin - heute nur ein Tropfen. 2084?

Sonntag, 29. August 2010 | Autor: peno

Sarrazins Gedankenwelt fasste Bruno Preisendörfer in folgenden Punkten zusammen:

“Erstens: ‘Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren.’

Zweitens: Die Hochbegabung konzentriert sich in der Oberschicht, die Mittelschicht bringt gut Begabte hervor, in der Unterschicht ist überdurchschnittliche Intelligenz selten, in der von staatlichen Transferleistungen lebenden Unterschicht schon normale Intelligenz die Ausnahme.

Drittens: … Je niedriger der Intelligenzquotient, desto höher die Fertilitätsrate.

Viertens: Dies führt zum Sinken der gesellschaftlichen Gesamtintelligenz …

Fünftens: Zur Korrektur dieser Entwicklung müssen die dummen Leute aus der Unterschicht am Kinderkriegen gehindert … werden. Des Weiteren ist die Zuwanderung dummer Türken, Araber und Afrikaner zu unterbinden und durch eine gesteuerte Migration gebildeter Menschen aus intelligenteren Ländern zu ersetzen.”

kari_20100826_sarrazene

© K. Stuttmann

Sarrazin reibt sich die Hände, nicht nur wegen der prächtigen Verkaufserfolge seines Buches. Seine Partei, die SPD, hat mal wieder ein Problem: Sie bringt es nicht fertig, ihn rauszuschmeißen. Es reichte und reicht nur zu bitterbösen Mahnungen und Empfehlungen: Hau ab! Geh’ deiner Wege! Ohne uns!

Sarrazin weiß aber, dass er diesen genossenschaftlichen Ratschlägen nicht folgen muss. Denn so manch eine/r in den bürgerlichen, auch sozialdemokratischen Kreisen stimmt dem Herrn Sarrazin offen oder hinter vorgehaltener Hand zu.

Aus einem unveröffentlichten, noch nicht autorisierten Statement Sarrazins:

“Was wollt ihr eigentlich? Warum diese Hetze? Wo blieb eure Empörung als unser damaliger Genosse Oskar Lafontaine in den 8oer/90er Jahren als saarländischer Ministerpräsident für die SPD mit arbeitsmarktpolitischen Wahlparolen am rechten Rand graste? Ich habe auch keinen Aufstand erlebt, als dieser Oskar Lafontaine, damals noch unser Parteioberst, 2005 verkündete:

Der Staat ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter ihnen zu Billiglöhnen die Arbeitsplätze wegnehmen.

Und wie war das 1997 mit unserem Gerhard Schröder:

… Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: raus, und zwar schnell.

Schließlich hat auch der von den Medien zur unantastbaren Ikone hoch stilisierte Helmut Schmidt kaum Widerspruch erlebt, als er bereits 1992 tönte:

Man kann aus Deutschland mit einer immerhin tausendjährigen Geschichte seit Otto I. nicht nachträglich einen Schmelztiegel machen … Weder aus Frankreich noch aus England, noch aus Deutschland dürfen Sie Einwanderungsländer machen. Das ertragen die Gesellschaften nicht. Dann entartet die Gesellschaft! … Es kann dazu kommen, dass wir überschwemmt werden.

Nicht nur 1992, auch heute noch gehört unser Helmut Schmidt inhaltlich, bei einigen sprachlichen Vorbehalten zu meinen Unterstützern: Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedrückt hätte, hätte ich ihm in weiten Teilen zustimmen können.

Und: Schließlich bin ich erst vor gut einem Jahr von den sozialdemokratischen Führungskräften, die mich doch genau kannten, in mein Bundesbankeramt gehievt worden.

Wie bitte wollt ihr heute meinen Rausschmiss begründen, wenn ich euch mit den zuvor genannten Fakten und Äußerungen konfrontiere?”

Steter Tropfen höhlt  den Stein. Sarrazin ist nur ein Tropfen, so wie Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine u.v.a. … Sarrazins Thesen kommen in weiten Teilen unserer Gesellschaft (auch der SPD-Mitglieder!) gut an. Man stößt sich allenfalls an Sprache, Stil oder anderen “Tischfeinheiten” (H. Schmidt).

Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, unterstützt Sarrazins Forderung nach einer effektiveren “Selektionspolitik” im Interesse kultureller (ethnischer?) und ökonomischer Stabilität Deutschlands.

Wird es noch lange dauern, bis der Ruf nach einer auch genetisch gesteuerten, deutschnationalen Bevölkerungspolitik “tischfein” erschallt? Schließlich gibt es doch auch ein paar Millionen Deutschstämmige, die ziemlich wenig zur Mehrung des BSP beitragen! Die die altehrwürdige Kultur und ihre ökonomische Prosperität mit Füßen treten und sich partout nicht in die deutsche Mittel-/Oberschicht integrieren wollen. Auch hier könnte “Selektion” helfen. Die genetischen Einteilungen hat Sarrazin ja bereits vorgenommen.

Muss George Orwells “1984″ umgeschrieben werden in “2084″?

Thema: Aus der Parteienlandschaft, Rechtsextremismus | Beitrag kommentieren

Thilo Sarrazin

Mittwoch, 23. Juni 2010 | Autor: peno

Der schnauzbärtige Kauz Thilo Sarrazin (noch immer SPD-Mitglied!) hat sich für die mediale Öffentlichkeit mal wieder in Szene gesetzt. Thilo Sarrazin ist um die intellektuelle Zukunft der Deutschen besorgt:

Die Deutschen “werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer”, und zwar wegen der Zuwanderung “aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika”. Denn diese Migranten bekämen mehr Kinder als Deutsche. “Eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz” werde das deutsche Bildungsniveau verschlechtern.

Diese neuen Äußerungen passen genau in die lange Liste von diskriminierenden, politisch beleidigenden Äußerungen, die sich Sarrazin als Berliner Wirtschaftssenator geleistet hat. Aber Sarrazin wusste ja, dass es noch immer einige gibt, die gleicher als gleich sind - und dass er zu diesen Privilegierten zählt.

Für einen Berliner Wirtschaftssenator oder Bundesbanker werden Verbalinjurien allenfalls als Peanuts gewertet. Sie können offensichtlich sogar für den Aufstieg zum Bundesbankvorstand förderlich sein.

Ein “normal” Beschäftigter wird für Unflätigkeiten á la Sarrazin abgemahnt und/oder rausgeworfen. Er wird arbeitslos, in der Regel Hartz IV’ler. Schließlich gehört er ja nicht zu den Privilegierten.

PS: Erfüllt Sarrazin mit seinen Äußerungen den Straftatbestand “Volksverhetzung” gemäß § 130 STGB? Nein, die Äußerungen Sarrazins sind ja nicht antisemitisch. Sondern nur asozial, fremdenfeindlich, je nach Verständnis auch rassistisch.

Jedenfalls tut das Sarrazin-Palaver seinen Positions-, Gehalts- und  Pensionsanspüchen keinerlei Abbruch. Für etliche Sprachrohre der politischen und kulturellen Eliten gilt Sarrazin sogar als mutiger, strammer, für den gesellschaftlichen Diskurs notwendiger “Denker”. Für die nächsten acht Jahre!

Thema: Aus der Parteienlandschaft, Rechtsextremismus, Zitate | Beitrag kommentieren

Fußball in Mügeln

Dienstag, 27. April 2010 | Autor: peno

120px-football_pallo_valmiina-cropped1Der als links-alternativ geltende Sportclub “Roter Stern Leibzig” musss nach Mügeln (Sachsen) zu einem Fußballspiel der Bezirksklasse gegen den Mügelner Ortsverein. Die Mügelner Mannschaft greift zwar wenig an, doch umso mehr die Mügelner Zuschauer:

“Hitlergruß” … “Zecken vergasen” … “ein Baum, ein Strick, ein Judengenick”.

Das sind laut Zeitungsberichten Originaltöne von den Zuschauerrängen (dazwischen auch Bürgermeister Deuse)!

Mügeln? Da war doch mal was:

Bürgermeister Deuse (FDP)? Der ist doch bekannt:

Deuse soll, wie man hört, in seinem Amtszimmer eine Tafel mit deutschem Eichenlaub und seinem politischen Amtsmotto hängen haben: Nichts sehen - nichts hören - nichts wissen …

Thema: Rechtsextremismus, Schlaglichter | Beitrag kommentieren

Entschuldigung …

Donnerstag, 26. Februar 2009 | Autor: peno

Frage: Was unterscheidet den britischen Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson von dem deutschen Holocaust-Leugner Horst Mahler?
Antwort: Der britische Bischof ballt die Faust korrigiert nichts, kennt aber das päpstliche Entschuldigungsritual und erkauft sich nach längerer Bedenkzeit den Ablassbrief durch eine lockere Entschuldigung:

„Der Heilige Vater und mein Oberer, Bischof Bernard Fellay, haben mich ersucht, die Bemerkungen, die ich vor vier Monaten gegenüber dem schwedischen Fernsehen gemacht habe, neu zu überdenken, da deren Folgen sehr schwerwiegend gewesen sind.
In Anbetracht dieser Folgen kann ich wahrheitsgemäß sagen, dass es mir leid tut, diese Bemerkungen gemacht zu haben, und dass ich sie nicht gemacht hätte, wenn ich im Vorhinein um den ganzen Schaden und den Schmerz gewusst hätte, die diese verursachen würden, besonders der Kirche, aber ebenso den Überlebenden und den Verwandten der Opfer der Ungerechtigkeit unter dem Dritten Reich.
Im schwedischen Fernsehen habe ich nur die Meinung ( “Ich glaube”, “Ich glaube”) eines Nicht-Historikers geäußert, eine Meinung, die sich vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise herausgebildet hat und seither selten in der Öffentlichkeit geäußert worden ist. Nichtsdestoweniger haben mich die Ereignisse der letzten Wochen und der Rat von älteren Mitgliedern der Bruderschaft des hl. Pius X. von meiner Verantwortung für die verursachten großen Schwierigkeiten überzeugt. Ich bitte alle, die sich aufgrund meiner Worte aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung.
Wie der Heilige Vater gesagt hat: Jeder Akt ungerechter Gewalt gegen auch nur einen Menschen verletzt die gesamte Menschheit.“1 + Richard Williamson London, 26. Februar 2009

106-w-a-bouguereaudante-and-virgil-in-hell.jpgWilliamson hat mit dieser Erklärung den Freunden der Rabulistik ein treffliches Beispiel geliefert.
Der katholische Bischof muss nun nicht in die Hölle. Auch seine Kumpane (z.B. David Irving) bleiben unbehelligt.
Horst Mahler verweigert die Entschuldigung, hetzt weiter und muss nun für 6 Jahre hinter deutsche Gitter. Vielleicht gewinnt auch Horst Mahler demnächst eine Reise nach Canossa.

  1. Erklärung im Wortlaut []

Thema: Rechtsextremismus | Beitrag kommentieren

Mein Gott, Richard …!

Samstag, 31. Januar 2009 | Autor: peno

In seiner unendlichen Liebe und unermesslichen Weisheit hat Papst Benedikt XVI. vier im reaktionär-ultrakonservativem Sumpf irrlichternde Bischöfe in den gütigen Schoß seiner Kirche zurückgeholt. Einer dieser Bischöfe, Richard Williamson – nebenberuflich Theologieprofessor, zeigte sich aber recht undankbar und bereitete seinem Papst Verdruss:

„Der Holocaust ist eine Lüge, Lüge, Lüge“,

so ereiferte sich der begnadete Bischof. Wahrscheinlich gab es gar keine Gaskammern, in denen Juden ermordet worden sind … Es seien vielleicht 200 000 oder 300 000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen, aber kein Jude sei vergast worden.1
Bei passender Gelegenheit äußert sich Williamson auch zu Modefragen:

Hosen seien „eine Attacke auf das weibliche Geschlecht“.2

vatikan-wappen.jpgNach inzwischen altbewährter Manier entschuldigt sich der Bischof flugs, allerdings nur dafür, dass er dem Hl. Vater Leid und Probleme bereitet habe. Das ist schließlich leicht gemacht, ein Sinneswandel wäre da schon schwieriger. Und für Entschuldigungen hat Benedikt XVI. viel Verständnis. Vor nicht langer Zeit beleidigte der Papst die Muslime mit merkwürdigen Geschichtszitaten – und entschuldigte sich alsbald. Alles wieder in Ordnung. Dann beleidigte er die Juden durch obskure Gebetspassagen – und entschuldigte sich anschließend. Alles wieder in Ordnung. In der katholischen Kirche denken ja nicht wenige so wie Benedikt und Richard.
Den wegen seines billigenden Schweigens zum Holocaust vielfach gescholtenen Papst Pius XII. lässt Benedikt XVI. jetzt durch eine große Wanderausstellung reinwaschen, um ihn vermutlich schon bald in die erlauchte Schar der Heiligen aufzunehmen.
Entschuldigungsrituale beherrschen offensichtlich auch die Bischöfe der katholischen Kirche hervorragend.

Rechtsradikale Kreise haben die Botschaft des britischen Bischofs bereits begeistert aufgenommen. Horst Mahler z.B. fragt sich, warum er gerichtlich verfolgt wird, ein Richard Williamson aber unbescholten und frei herumlaufen darf.

  1. Zeit online und Spiegel online oder Wikipedia []
  2. Der Tagesspiegel vom 28.1.09 []

Thema: Rechtsextremismus, Staat und Kirche | Beitrag kommentieren

Keine Nachtruhe für NPD

Samstag, 3. November 2007 | Autor: peno

Den beiden sächsischen NPD-Funktionären Apfel und Delle wird die Nachtruhe verwehrt:

„Sehr geehrter Herr Apfel,
sehr geehrter Herr Delle,
wir erhielten heute Ihre … Reservierung für den 7. November 2007 und sind einigermaßen erstaunt, dass Sie ausgerechnet ein … Hotelunternehmen mit ausländisch klingendem Namen bevorzugen. Da Sie in unserem Hause nicht willkommen sind und ich es auch meinen Mitarbeitern nicht zumuten kann, Sie zu begrüßen und zu bedienen, haben wir … gebeten, die Buchung zu stornieren. Sollte dies … nicht möglich sein, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich sämtliche in unserem Hause durch Sie getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdner Synagoge weiterleiten werde. Betrachten Sie dies als kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung für die Schäden, die Ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren früheren Besuchern zugefügt haben …
Macrander Hotels GmbH & Co. KG [...]“1

Anmerkung:

Normalerweise reklamieren NPD’ler und deren Sympathisanten die Grund- und Freiheitsrechte als für ihre Ziele unbegrenzt geöffneten Selbstbedienungsladen. Ein bekanntes Argumentationsmuster.

Auch im Forum des Tagesspiegels wird nun mit Hinweis ausgerechnet auf § 1 des Antidiskriminierungsgesetzes ein „Grundrecht auf nächtliche Unterkunft“ für NPD-Funktionäre gefordert … lustig … Mit den Grund- und Freiheitsrechten lässt sich trefflich operieren.

  1. zit. in: Der Tagesspiegel  vom 3.11.07 []

Thema: Rechtsextremismus, Zitate | Beitrag kommentieren

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: