Ceterum censeo … (1)
Freitag, 19. Oktober 2007 | Autor: peno
„Welche Rolle haben … die Wissenschaftseinrichtungen in Berlin gespielt? Wie weit waren sie in den Nationalsozialismus verstrickt? Haben sie diese Verstrickung aufgearbeitet?“
Diese Fragen stellte der Berliner Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung für eine Untersuchung zu „Berliner Wissenschaftseinrichtungen in der NS-Zeit“. Auslöser für den Forschungsauftrag sei der 8. Mai 2005 gewesen:
„Nur wer weiß, wie die Vergangenheit ausgesehen hat, kann die Zukunft kreativ und verantwortungsvoll gestalten.“1
Die Veröffentlichung soll beitragen, „mehr Transparenz und Aufklärung in das dunkelste Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte zu bringen.“
- Biografien und Filmdokumentationen der letzten Jahre zeigen, dass die Enkelgeneration die vorher übliche Scheu vor dem Blick in die NS-Verstrickung auch der eigenen Familien weitgehend überwunden hat.
- Bundesligavereine haben ihre braune Vergangenheit untersuchen und darstellen lassen. So will z.B. der HSV mit einer Ausstellung „Die Raute unter dem Hakenkreuz - Der HSV im Nationalsozialismus“ seinen Fans, aber auch den Schulen Lehrmaterial zur Verfügung stellen. Die Ausstellung findet große Zustimmung.
- Etliche Großkonzerne haben schon seit langem der NS-Forschung ihre Archive zugänglich gemacht.
- Die Industriellenfamilie Quandt (BMW …) lässt jetzt ihre NS-Geschichte fachwissenschaftlich erarbeiten: „Wir erkennen, dass die Jahre 1933 bis 1945 in unserer Geschichte als deutsche Unternehmerfamilie noch nicht ausreichend aufgearbeitet sind. Wir sind uns als Familie einig, dass wir mit diesem Teil unserer Geschichte offen und verantwortungsvoll umgehen wollen.“2
Eine entsprechende Studie zu den Gymnasien/Oberschulen in Berlin fehlt aber noch immer. Es wäre zu prüfen, inwieweit für Berliner Gymnasien/Oberschulen verallgemeinert werden kann, was der Leiter des damaligen Gymnasium Steglitz 1936 verkündet hat:
„Das Steglitzer Gymnasium ist nur ein kleiner Teil in dem großen Organismus völkischer Schaffenskraft …, aber es hat sich von niemand übertreffen lassen in seinem starken Willen zu vaterländischem Tun … Darum wird es sich auch in der neuen Zeit bewähren, weil es sich bewähren will.“3
Es sollte auch beachtet werden, wie die heutigen Gymnasien ihre NS-Geschichte in ihren Homepages darstellen und wie dieser Teil der Schulgeschichte für den Unterricht nutzbar gemacht werden kann.
„Welche Rolle haben … die Wissenschaftseinrichtungen in Berlin gespielt? Wie weit waren sie in den Nationalsozialismus verstrickt? Haben sie diese Verstrickung aufgearbeitet?“
ceterum censeo: Der Berliner Schulsenator sollte diese Fragen endlich auch für den Schulbereich klären lassen.
- Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner im Vorwort der Untersuchung [↩]
- Der Tagesspiegel vom 6.10.07 [↩]
- Schulleiter Sommer; Gymnasium Steglitz [↩]
Thema: Rechtsextremismus, Schule und Bildung | Beitrag kommentieren

Arndt-Gymnasium: Vor der Aula eine Marmortafel: „Unsere Gefallenen von 1914 bis 1921“, davor: Soldatenkopf mit Helm auf einer Stele. Eine Holztafel in der Aula gedenkt der über 500 im Zweiten Weltkrieg gefallenen Schüler.
Gymnasium Steglitz: „Dem Gedächtnis unserer Gefallenen“ „Es starben für das Vaterland“
Lilienthal Gymnasium: Aufwändig geschnitzte Holztafel: „Dem Gedächtnis unserer für das Vaterland 1914 – 1918 gefallenen Lehrer und Schüler“, „Ein Beispiel hab’ ich euch gegeben, dass ihr tut, wie ich euch getan habe. Joh.13“
Paulsen Gymnasium: Große, auffällig gestaltete Holztafel (darüber ein Helm mit Eichenlaub): „Es starben für das Vaterland“, „Vergiß, mein Volk, die treuen Toten nicht“, „Unseren Gefallenen 1939 – 1945“
Es gab einmal ein Hausfrauenethos: Die gepflegt aussehende Frau sorgte in sauberer Wohnung dafür, dass die Kinder gut ernährt und schön angezogen waren. Getragen von ihrem Ethos, feierte die Frau ihre Freiheit als Errungenschaft, nicht berufstätig sein zu müssen. Der Mann – weil der das besser kann – hat die Arbeit draußen gemacht. Die Frau – weil sie dafür geeigneter ist – hat die Arbeit drinnen gemacht.
Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft - kommentiert, glossiert und zur Diskussion gestellt.



