PISA, Powerpoint und Schule
Montag, 29. Oktober 2007 | Autor: peno
Die neue, moderne Schule klippert und klappert. Nachhaltig. Seit einigen Jahren präsentiert die neue Schule nachhaltig Geklippertes. Form verdrängt Inhalt.
Gurus haben vor wenigen Jahren in der Schule eine Marktlücke entdeckt. PISA half ihnen. Die Gurus verdienen mit ihren „Produkten“ gut, sehr gut. Die LehrerInnen? Trotz sonstiger Klagen: Hier zahlen sie. Trotz sonstiger Arbeitsbelastungen: Hier machen viele mit. Schließlich tragen die von den Gurus vermarkteten Produkte ein neues Gütesiegel: ideologiefrei, politikresistent. Mit imaginären Schulprofilen und Schulprogrammen wollen sich die Schulen gegenseitig Konkurrenz bieten. Das scheitert am Erfindungsreichtum der Schulen: Zu 90% ähneln sich die oktroyierten Profilierungsversuche. Profilneurosen als neue Schulkrankheit?
Es gab und gibt aber auch deutlich kritisierende Warner. Der Leiter eines Berliner Gymnasiums hat seine Kritik veröffentlicht. Einige Zitate aus seiner bedenkenswerten Veröffentlichung Betrieb Schule:
„… Die drucklose Kuschelmentalität der schlaffen Achtundsechziger-Lehrerschaft hat Ordnung, Fleiß und Leistung entwertet – her mit bayerischen Werten, her mit koreanischer Härte! …
Zur neuen Schule gehören nunmehr: Corporate Identity, Output-Orientierung, Normierung, Controlling, Qualitätsmanagement. Ein Leitbild muss her und ein Schulprogramm … Zielvereinbarungen binden Schulaufsicht, Schulleitung und Lehrer in ein Geflecht von Anforderungen, die sie gemeinsam unter Anwendung infantilisierender Moderationsmethoden entwickelt haben … Sinn wird ersetzt durch Funktion …
Heutiger Favorit im Reigen wechselnder Methoden-Moden ist das ‘entdeckende Lernen’. Der Lehrer belehrt nicht, er hält sich zurück, wirkt als Moderator, die jungen Leute arbeiten mit größtmöglicher Selbstständigkeit (im Team, selbstverständlich); Pflicht ist die Präsentation der Ergebnisse per Plakat oder mit Powerpoint …
Stühleschurrend finden sich die Schüler in kompliziert konstruierten Expertengruppen, bilden Außen- und Innenkreise, malen ein Plakat nach dem anderen, es powerpointet, dass die Augen tränen, gleichwohl lernen sie manchmal nichts …
Wahre Bildung ist weder Produkt noch Ware; und Schule ist kein Betrieb …“
Sollte der Autor von „Betrieb Schule“ Recht haben – vieles spricht dafür – dann: Schade um das Geld, um den Zeitaufwand, um das fehlgeleitete Engagement. Schade um etliche SchülerInnen-Jahrgänge. Schade um die Schule.
Aber vielleicht bleibt „Betrieb Schule“ kein Ruf in der Wüste und kann die tönernen Füße modischer Schulgurus überdauern …
Thema: Schule und Bildung | Ein Kommentar


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