Sarrazin-Bigotterie

Montag, 30. August 2010

Bruno Preisendörfer:

„Wenn er [Sarrazin] sich ein bisschen tischfeiner ausgedrückt hätte, hätte ich [Helmut Schmidt] ihm in weiten Teilen zustimmen können.“

Diese teetassenhafte Besorgnis um Sarrazins Tischfeinheit zeigt, dass der Mann schmutzige Gedanken in den Mund nimmt, die viele Leute mit sauberen Händen im Kopf haben [...]

Vielleicht auch, weil [...] Sarrazin [...] vielen Menschen der akademischen Mitte mehr aus der Seele spricht, als ihr Mund zugeben würde.

Es geht also nicht nur um Thilo Sarrazin! Das Thema bleibt heiß.

Thema: Zitate |  Ein Kommentar

Thilo Sarrazin - heute nur ein Tropfen. 2084?

Sonntag, 29. August 2010

Sarrazins Gedankenwelt fasste Bruno Preisendörfer in folgenden Punkten zusammen:

“Erstens: ‘Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren.’

Zweitens: Die Hochbegabung konzentriert sich in der Oberschicht, die Mittelschicht bringt gut Begabte hervor, in der Unterschicht ist überdurchschnittliche Intelligenz selten, in der von staatlichen Transferleistungen lebenden Unterschicht schon normale Intelligenz die Ausnahme.

Drittens: … Je niedriger der Intelligenzquotient, desto höher die Fertilitätsrate.

Viertens: Dies führt zum Sinken der gesellschaftlichen Gesamtintelligenz …

Fünftens: Zur Korrektur dieser Entwicklung müssen die dummen Leute aus der Unterschicht am Kinderkriegen gehindert … werden. Des Weiteren ist die Zuwanderung dummer Türken, Araber und Afrikaner zu unterbinden und durch eine gesteuerte Migration gebildeter Menschen aus intelligenteren Ländern zu ersetzen.”

kari_20100826_sarrazene

© K. Stuttmann

Sarrazin reibt sich die Hände, nicht nur wegen der prächtigen Verkaufserfolge seines Buches. Seine Partei, die SPD, hat mal wieder ein Problem: Sie bringt es nicht fertig, ihn rauszuschmeißen. Es reichte und reicht nur zu bitterbösen Mahnungen und Empfehlungen: Hau ab! Geh’ deiner Wege! Ohne uns!

Sarrazin weiß aber, dass er diesen genossenschaftlichen Ratschlägen nicht folgen muss. Denn so manch eine/r in den bürgerlichen, auch sozialdemokratischen Kreisen stimmt dem Herrn Sarrazin offen oder hinter vorgehaltener Hand zu.

Aus einem unveröffentlichten, noch nicht autorisierten Statement Sarrazins:

“Was wollt ihr eigentlich? Warum diese Hetze? Wo blieb eure Empörung als unser damaliger Genosse Oskar Lafontaine in den 8oer/90er Jahren als saarländischer Ministerpräsident für die SPD mit arbeitsmarktpolitischen Wahlparolen am rechten Rand graste? Ich habe auch keinen Aufstand erlebt, als dieser Oskar Lafontaine, damals noch unser Parteioberst, 2005 verkündete:

Der Staat ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter ihnen zu Billiglöhnen die Arbeitsplätze wegnehmen.

Und wie war das 1997 mit unserem Gerhard Schröder:

… Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: raus, und zwar schnell.

Schließlich hat auch der von den Medien zur unantastbaren Ikone hoch stilisierte Helmut Schmidt kaum Widerspruch erlebt, als er bereits 1992 tönte:

Man kann aus Deutschland mit einer immerhin tausendjährigen Geschichte seit Otto I. nicht nachträglich einen Schmelztiegel machen … Weder aus Frankreich noch aus England, noch aus Deutschland dürfen Sie Einwanderungsländer machen. Das ertragen die Gesellschaften nicht. Dann entartet die Gesellschaft! … Es kann dazu kommen, dass wir überschwemmt werden.

Nicht nur 1992, auch heute noch gehört unser Helmut Schmidt inhaltlich, bei einigen sprachlichen Vorbehalten zu meinen Unterstützern: Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedrückt hätte, hätte ich ihm in weiten Teilen zustimmen können.

Und: Schließlich bin ich erst vor gut einem Jahr von den sozialdemokratischen Führungskräften, die mich doch genau kannten, in mein Bundesbankeramt gehievt worden.

Wie bitte wollt ihr heute meinen Rausschmiss begründen, wenn ich euch mit den zuvor genannten Fakten und Äußerungen konfrontiere?”

Steter Tropfen höhlt  den Stein. Sarrazin ist nur ein Tropfen, so wie Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine u.v.a. … Sarrazins Thesen kommen in weiten Teilen unserer Gesellschaft (auch der SPD-Mitglieder!) gut an. Man stößt sich allenfalls an Sprache, Stil oder anderen “Tischfeinheiten” (H. Schmidt).

Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, unterstützt Sarrazins Forderung nach einer effektiveren “Selektionspolitik” im Interesse kultureller (ethnischer?) und ökonomischer Stabilität Deutschlands.

Wird es noch lange dauern, bis der Ruf nach einer auch genetisch gesteuerten, deutschnationalen Bevölkerungspolitik “tischfein” erschallt? Schließlich gibt es doch auch ein paar Millionen Deutschstämmige, die ziemlich wenig zur Mehrung des BSP beitragen! Die die altehrwürdige Kultur und ihre ökonomische Prosperität mit Füßen treten und sich partout nicht in die deutsche Mittel-/Oberschicht integrieren wollen. Auch hier könnte “Selektion” helfen. Die genetischen Einteilungen hat Sarrazin ja bereits vorgenommen.

Muss George Orwells “1984″ umgeschrieben werden in “2084″?

Thema: Aus der Parteienlandschaft, Rechtsextremismus |  Beitrag kommentieren

Oskar und der Neid

Samstag, 28. August 2010

Aus einem Interview mit Oskar Lafontaine:

“… Die Versuchung ist groß, Neid gegen sie (gemeint sind Politiker linker Parteien in Spitzenfunktionen) zu schüren, wenn sie ein höheres Einkommen haben als ein Hartz-IV-Empfänger …”

Merkwürdige Größenordnungen! Erinnert stark an Klaus Ernst.

Thema: DIE LINKE., Zitate |  Beitrag kommentieren

Klaus Ernst und die “Neid-Debatte”

Dienstag, 3. August 2010

Gewiss: Klaus Ernst ist ein umtriebiger und fleißiger Mann:

  • Zahlreiche Mandate im Parlament, in der Partei, in den Gewerkschaften, in diversen Aufsichtsräten prägen seine Biografie. Gegen innerparteiliche Vorwürfe wegen Ämterhäufung und dadurch entstehende Überforderung hat er sich erfolgreich zur Wehr gesetzt.
  • Klaus Ernst ist auch sehr großzügig - wenn es um die Nutzung des bequemen und komfortablen Erste-Klasse-Service bei den Flugreisen für seine “dienstlichen”, natürlich im Auftrag und zum Wohle des Volkes abverlangten Verpflichtungen geht und er diese nicht mit seinem Porsche erledigen kann.
  • Klaus Ernst kann aber auch sehr sparsam sein - jedenfalls wenn es um die Bezahlung seiner Reisekosten aus der Parteikasse oder gar aus eigener Tasche geht. Er läßt lieber den Bundestag bezahlen. Alles für das Volk, alles durch das Volk und alles zu Lasten des Volkes.

120px-klaus_ernst_050825_08Erstreaktionen: Alles ganz legal! Richtig. Aber doch wohl nur nach den Regeln der politischen Gegner. Und von denen wollen sich doch gerade linke Mandatsträger („Funktionäre“?) absetzen. Auch Klaus Ernst (?). Dabei geht es gar nicht so sehr um jede Einzelheit dieser sogenannten Neid-Debatte, sondern vielmehr auch um die Chuzpe, mit der linke Funktionäre dieser “Neid-Debatte” begegnen. Für Klaus Ernst ist die Kritik an seinem Porsche, seinem Einkommen (immerhin monatlich ca. 13.000 EURO - soweit in der Öffentlichkeit bekannt geworden!) oder seinen Multifunktionen allenfalls eine böse „Neid-Debatte“, die mit seiner politischen und persönlichen Glaubwürdigkeit nichts zu tun hat - wie er meint. Er hat seine parteiinternen Kritiker im Griff, auch mit Hilfe des Hintergrund-Jongleurs Oskar Lafontaine.

Ach ja: „Linke müssen nicht arm sein“! So verteidigte vor einiger Zeit Lothar Bisky seinen mitstreitenden Lebemann Oskar Lafontaine. Und Klaus Ernst ist schließlich ein getreuer Gefolgsmann von Lafontaine.

Nein, Linke müssen nicht arm sein. Die Definitionen für “Arm” und “Reich” waren und sind umstritten. Seit eh und jeh. Weltweit. Klar und unbestreitbar ist aber, dass ein Klaus Ernst mit seinem Porsche, seinen Abrechnungen, seinem Gesamteinkommen nicht zu den Armen zählt. Muss er auch nicht. Aber zwischen “Arm” und “Reich” gibt es ja noch ein paar Abstufungen. Man wird darüber streiten dürfen, ob Klaus Ernst für sich die einzig richtige und für seine Partei politisch  vertretbare Stufe gewählt hat.

Man darf gespannt sein, mit welchen Sprüchen der „Linke Luxus“ eines Klaus Ernst demnächst noch verteidigt wird, z.B.:  Der Banker Ackermann verdient mehr! Und: Die kleinlichen Kritiken richten sich sowieso weniger gegen einzelne Funktionäre wie Klaus Ernst als vielmehr gegen die linke Gesamtpartei. Im übrigen handelt es sich ohnehin nur um eine kleinkarierte Neid-Debatte.

Warum müssen sich auch die verdammt hoch bezahlten Politfunktionäre der Linken solche Blößen geben? Für die Gegner der Linken ein gefundenes Fressen.

Die Debatte kommt in Gang. Und die nächsten Wahlen kommen auch.

Thema: DIE LINKE. |  Ein Kommentar

Henryk M. Broder - “Der Pornoschriftsteller”

Sonntag, 18. Juli 2010

Erstaunlich, wie es dem hasserfüllten Broder immer wieder gelingt, seinen Strauß ressentimentgeladener Pseudoinformationen in einem Artikel zu bündeln und dann auch noch in seriösen Zeitungen unterzubringen, z.B. am 12.7.10 “Betreten auf eigene Gefahr”. Ein unglaubliches Sammelsurium hässlicher Vorurteile. Das erlaubt sich nur ein Broder, der Mann, der seit einem Berliner LG-Urteil vom 25.11.2008 wegen seiner Vergangenheit sogar “Pornoschriftsteller”genannt werden darf. In diesem Urteil findet man wichtige Hinweise auf Qualität und Methode eines Henryk M. Broder:

„Wer das Recht der freien Meinungsäußerung in der Weise benutzt wie der Kläger (Henryk M. Broder), muss sich auch selbst deutliche Kritik an seiner Person gefallen lassen“…

Und weiterhin attestiert das Berliner Landgericht dem Kläger Broder

„eine besondere Vorliebe für eine Ausdrucksweise mit sexuell drastischen und dem Genitalbereich entstammenden Begriffen (…), die er auch benutzt, wenn es gar nicht um sexuelle oder verwandte Themen geht, so dass auch politische und andere Diskussionen immer wieder mit sexuellen Konnotationen aufgeladen werden.”

Dass ein solcher Schreiberling anlässlich eines sehr bedauerlichen und verurteilenswerten Gewaltexzesses in einem Neuköllner Schwimmbad wieder in seine altbekannte Diskriminierungskiste greift, um einen wirren Artikel zu schreiben, ist klar.

Die inhaltliche Wirrnis seiner Artikel ist HMB jetzt wohl selbst schon aufgefallen. Er erfindet “10 Regeln für eine ausgewogene und faire Berichterstattung“.

Kommentatoren sind Broder bereits zu Hilfe geeilt und haben diese “Regeln” sinnvoll ergänzt. Hier noch zwei weitere Ergänzungsregeln:

Die 16. Regel:

Und wenn du einen Menschen trriffst, der behauptet, Broder sei ein “Pornoschreiber” dann vergiss nicht, dass das lt. einem Berliner LG-Urteil vom 25.11.08 rechtens ist.

Die 17. Regel:

Bis spät in die 80er Jahre hieß es: Wenn dieses Gesicht (gemeint war Gerhard Löwenthal, das westliche Pendant zu Eduard Schnitzler) auf Ihrem Bildschirm auftaucht, dann bitte sofort abschalten!
In Analogie dazu gilt heute die 17. Regel: Wenn der Name Henryk M. Broder als Autor auftaucht, dann bitte sofort umblättern! Du versäumst nichts, wenn du Broders Tiraden ungelesen lässt.

PS: Wie man sieht,  habe ich mich an diese 17. Regel leider selbst nicht gehalten. Neugier.

Thema: Schlaglichter |  Beitrag kommentieren

WM-Nachlese: Neokolonialismus?

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Spieler der deutschen Fußball-WM-Mannschaft kommen alle - so wurde in den Reportagen mehrfach betont - aus der Bundesliga. Das ist offensichtlich selten so. Erstaunlich und begeisternd waren die Spiele dieser deutschen “Multikulti-Mannschaft”, gerade auch wegen der “Multikulti-Zusammensetzung”. Ohne die Fußball-Söhne der Einwanderungsfamilien sähe die deutsche Mannschaft ziemlich blass aus.

Die TV-Reporter konnten nicht nur die Namen der Spieler aus Afrika, Südamerika oder Asien nennen, sondern zumeist auch hinzufügen, in welchen europäischen Spitzenclubs diese Spieler im Saison-Alltag spielen. Bisweilen - so schien es - sollte der Name der europäischen Spitzenclubs (z.B.: Bayern München, HSV, AC Roma, FC Barcelona, Chelsea London, Milano, Ajax Amsterdam etc, etc) sogar Ersatz für die nationale Herkunft der Spieler sein. Fast alle Spieler der afrikanischen, asiatischen, südamerikanischen Spitzenmannschaften sind für die superreichen europäischen Spitzenvereine verpflichtet, d.h. aufgekauft worden.

Nun wurden die Länder in Afrika, Südamerika und Asien seit langem begriffen als “Entwicklungsländer” oder als “Dritte Welt”. Diese “Dritte Welt” wurde bekanntlich von den Industrieländern - also im wesentlichen von den Europäern - auf ihre für die Industrialisierung verwertbaren Schätze erforscht und sodann umfassend ausgebeutet. Kolonialismus. Die Ausbeutung der für den Aufbau und die Wertschöpfung der Industrieländer wichtigen und leuchtenden Diamanten (Rohstoffe, Arbeitskräfte …) führten in den Industrieländern zu Wohlstand und Reichtum.

Ist der systematische Aufkauf asiatischer, südamerikanischer, afrikanischer “Sportdiamanten” eine neue Form des alten Kolonialismus? Die Sporttalente (nicht nur im Fußball) werden aus ihren Heimatländern gelockt, in Sportcamps ausgebildet und in Europa (fast) wie in Zeiten des klassischen Kolonialismus als Profit bringendes Kapital (Rohdiamanten) eingesetzt. Die “Dritte Welt” liefert - die “Erste Welt” kauft, verwertet und gewinnt: Ein klassisches Muster des kolonialen Systems. Reich bleibt reich und arm bleibt arm.

Mit einigen Einschränkungen gilt dieses Muster offensichtlich auch heute noch für den neokolonialen Welthandel des Fußballs. Der Wert des Menschen Fußballer” (Sportler) wird dabei in Millionen-Beträgen gemessen.

“Spanien wird Weltmeister”. So haben es Jürgen Gerhards (FUB) und Gert G. Wagner (TUB, DIW) vorausberechnet: Die spanische Nationalmannschaft habe mit insgesamt ca. 650 Millionen EUR die auf dem Fußball-Weltmarkt höchst gehandelten Fußballer. Sie muss gewinnen!

“Vor ein paar Tagen hat Bayern München sein Interesse an Fabio Coentrao (Portugal) zurückgezogen: Coentrao … ist inzwischen zu teuer geworden.”1

Realistische Alternativen zur ökonomischen und kulturellen Ausbeutung der “Dritten/Vierten Welt” sind spätestens seit dem Pearson Report (1969) vielfach formuliert worden. Alternativen zum heutigen Sport-Kolonialismus sind ernsthaft noch nicht einmal thematisiert worden. Solche Alternativen müssten auf wirtschaftliche, nachhaltig wirkende Investitionen zur weiteren Entwicklung des Breitensports im eigenen Land zielen und damit den Abzug dortiger Spitzensportler eindämmen. Der faire Wettbewerb (nicht der koloniale Handel!) soll damit auch im internationalen Sport nicht behindert, sondern indirekt sogar unterstützt werden.

  1. Der Tagesspiegel vom 12.7.10 []

Thema: Schlaglichter |  Beitrag kommentieren

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: