Moloch “Staat”

Sonntag, 10. Mai 2009

“(…) Die große Koalition ebnet heimlicher Zensur und staatlicher Bevormundung des Privatlebens den Weg, und sie missbraucht dazu die Abscheu gegenüber schockierenden Verbrechen (…)

113-grundgesetz-450

© K. Stuttmann

(…) Unter dieser Regierung wird der Staat zur Moralinstanz – er maßt sich an, darüber zu richten, was gut ist und schlecht. Damit aber löst der Staat kein Problem. Er wird selber zu einem.”1

  1. Lorenz Marold []

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Man glaubt es kaum

Montag, 4. Mai 2009

Über viele Jahrhunderte hindurch ist die katholische Kirche mit Abweichlern, Ketzern, Heiden und Ungläubigen ziemlich rau und schroff umgegangen – jedenfalls nicht gerade zimperlich oder gar versöhnlerisch. Dem erpressten Bekenntnis folgte nicht selten der Foltertod. Heute verfährt man in der geläuterten „Benedictus-Kirche“ mit den Nichtgläubigen milder:
Der smarte Regensburger Bischof Gerhard Müller, ein emsiger und verlässlicher Missionssoldat des großen Benedictus, geht in seiner missionarischen Großherzigkeit sehr weit:

109bischof-gl-muller1„Ihr Juden, ihr Muslime und all ihr Anhänger irgendwelcher Götter: Für euch kann es keinen Heilsweg geben, so lange ihr aus eigener Schuld nicht an Jesus Christus glaubt.“
Fünf Milliarden atmen auf. Sie müssen dem Himmelspförtner also lediglich glaubwürdig darlegen, dass sie (z.B. wegen diverser Bischöfe und Päpste) also „ohne eigene Schuld nicht an Jesus geglaubt haben“, dann wird sich die Himmelspforte auch für sie öffnen, sie können gerettet werden und „endgültig zur Gemeinschaft mit Gott gelangen“.1

Vermutlich muss auch Bischof Müller wegen seiner Großherzigkeit alsbald eine Entschuldigungsrunde drehen.

  1. aus: Der Tagesspiegel vom 2.5.09 []

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Pro Reli – Pro Ethik

Freitag, 17. April 2009

Den wortgewaltigen Eiferern im Berliner „Pro-Reli / Pro-Ethik-Streit“ ist mit Worten wohl nicht mehr beizukommen, sondern nur noch mit Karikaturen. In einem Streit, der sich selbst karikiert:

108-pro-reli-klartext23

© K. Stuttmann

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Freiheit für Abu Jamal!

Mittwoch, 1. April 2009

Die Akademie der Künste und das P.E.N.-Zentrum Deutschland haben einen Appell verfasst, um für den in den USA seit 27 Jahren in der Todeszelle inhaftierten Mumia Abu-Jamal Freiheit und Gerechtigkeit zu fordern. Sehr viele Prominente haben diesen Appell bereits unterzeichnet:

Wortlaut des Appells und die Unterzeichnerliste1

Gerechtigkeit für Mumia Abu-Jamal
Der Journalist und Schriftsteller Mumia Abu-Jamal, Mitglied des American P.E.N.-Center, Ehrenbürger von Paris, sitzt seit 27 Jahren wegen angeblichen Polizistenmordes in der Todeszelle. Nach dem, was sein Anwalt sagt, sind die Beweismittel dürftig und Manipulationen aus rassistischen und politischen Gründen naheliegend. Mumia Abu-Jamal schwebt noch in akuter Todesgefahr. Sein Verteidigerteam, unterstützt von einer weltweiten Solidaritätsbewegung, strebt ein neues und faires Verfahren an. Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Die Akademie der Künste und das P.E.N.-Zentrum Deutschland richten den dringenden Appell an die Öffentlichkeit:
Gerechtigkeit für Abu-Jamal in einem fairen Verfahren!
Das Menschenrecht auf eine Verhandlung ohne rassistische Manipulation und Vorverurteilung darf ihm nicht verwehrt werden. Mumia Abu-Jamal muss die Chance für einen neuen Prozess erhalten. Zugleich geht von der Akademie der Künste in Berlin, in unmittelbarer Nachbarschaft der Botschaft der Vereinigten Staaten, der Appell an die Weltöffentlichkeit, die Todesstrafe zu ächten.
Berlin, am 29. März 2009

Unterzeichner des Appells:
Gerhart Rudolf Baum • Volker Braun • Jutta Brückner • Nicole Bryan • Robert R. Bryan • Brigitte Burmeister • Daniela Dahn • Ebbo Demant • Andreas Dresen • Mario Früh • Hans W. Geißendörfer • Günter Grass • Erhard Grosskopf • Gert Heidenreich • Werner Hofmann • Sabine Kebir • Wolfgang Kohlhaase • Rolf Kreibich • Volker Kühn • Fitzgerald Kusz • Jochen Laabs • Günter Lamprecht • Erich Loest • Luca Lombardi • Ulrich Matthes • Jörn Merkert • Danielle Mitterrand • Frédéric Mitterrand • Heiner Moldenschardt • Franz Müntefering • Adolf Muschg • Oskar Negt • Hans Neuenfels • Siegfried Neuenhausen • Christian Nürnberger • Johannes Odenthal • Helmut Oehring • Klaus Pierwoß • Hans Helmut Prinzler • Horst-Eberhard Richter • Henning Rischbieter • Werner Schaub • Asta Scheib • Friedrich Schorlemmer • Ingo Schulze • Katrin Seybold • Franziska Sperr • Klaus Staeck • Gerhard Steidl • Johano Strasser • Donata Valentien • Michael Verhoeven • Günter Wallraff • Hubert Witt • Christa Wolf • Walter Zimmermann • sowie weitere Unterzeichner

  1. Wortlaut des Appells []

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In nomine Domini

Mittwoch, 18. März 2009

In studentischen Kreisen war damals – unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit - folgender Liedtext sehr beliebt:
Benedikt XVI.
Der Papst lebt herrlich auf der Welt … tra la la
er lebt von unsrem Ablassgeld … tra la la
er trinkt den allerbesten Wein,
d’rum möcht’ ich auch der Papst mal sein.

Doch nein: er ist ein armer Wicht … tra la la
Ein hübsches Mädchen küßt er nicht … tra la la
Er schläft in seinem Bett allein,
d’rum möcht’ ich auch der Papst nicht sein!

Durchaus möglich, dass in diesem scholastisch codierten Text die tiefere Erklärung für die neueste Botschaft unseres lieben Papstes an die vielen Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner zu finden ist. In seiner unendlichen Liebe und unergründlichen Weisheit verkündet Benedikt XVI., dass „Enthaltsamkeit, gepaart mit spirituellem Erwachen und Freundschaft für die Leidenden“ die besten, kirchlich erprobten Rezepte gegen Aids sind – viel besser und vor allem sehr viel gottgefälliger als die teuflischen Machwerke wie etwa Kondome und dergleichen!

Die Afrikanerinnen und Afrikaner werden es dem Heiligen Vater danken.

PS: Bekanntlich wird hinter der Hand immer wieder kolportiert, dass Benedikt zumindest in seinem gütigen Herzen ein heimlicher Pius-Bruder sein soll. Es scheint etwas dran zu sein. Jedenfalls soll Benedikt einen regen und regelmäßigen Gedankenaustausch mit Bischof Williamson pflegen.

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Ein neuer Karikaturenstreit

Sonntag, 8. März 2009

Die Berliner CDU hat mal wieder ihre beiden Haudegen Andreas Gram und Michael Braun an die deutsche Kulturfront geschickt. Anlass: Der für seine spitze Feder seit eh und jeh bekannte Karikaturist Rainer Hachfeld hat sich nach Grams und Brauns Meinung mit seinen neuesten Karikaturen nicht nur des Antikohlismus, sondern sogar des Antiamerikanismus1schuldig gemacht. Das wiegt schwer und kann nicht ungestraft bleiben: Gram droht nun damit, den Vorgang bei seinem großen und starken Bruder zu verpetzen:

„Dem Botschafter der Vereinigten Staaten werde ich eine Kopie dieses Schreibens zukommen lassen.“2

Parlamentspräsident Walter Momper ist als Hausherr zuständig für die geplante Ausstellung mit den Hachfeld-Karikaturen. Es ist zu hoffen, dass sich Momper in diesem Karikaturenstreit kompetenter und besser vorbereitet zeigt als seiner Zeit bei der Inauguration des Regierenden Bürgermeisters.

Im dänischen Karikaturenstreit sah alles noch ganz anders aus: Freiheit! So hörte man auch in deutschen Landen all überall. Jedenfalls, so lange es nur um ein paar Muslime und eine dänische Hauspostille ging.
Der Freiheitsdrang bekam aber schon kurz danach einen Dämpfer, als nämlich Klaus Stuttmann in seiner ansonsten preisgekrönten Karikatur den Überwachungswahn eines Wolfgang Schäuble aufs Korn nahm. Hier fühlte sich die SPD-Ministerin Brigitte Zypries aufgerufen, den Innenminister vor nach ihrer und seiner Meinung zu scharfer Kritik zu schützen. Ja, Freiheit, die ich meine und deren Grenzen ich selbst bestimme … notabene

  1. Obama-Karikatur []
  2. Der Tagesspiegel vom 7.3.09 []

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