Steuerfreiheit für Millionäre!

Mittwoch, 10. März 2010

Noch immer geistern Steuer-CD’s durch deutsche Lande. Sie enhalten viele tausend Daten, die für hiesige Steuerbehörden sehr interessant sind.

Wäre es nicht besser “Steuerfreiheit für Millionäre” zu beschließen?

  • Das peinliche Verfahren: Steuerbetrug - Strafdrohung - Selbstanzeigen - tätige Reue - Nachzahlungen - Straffreiheit würde sich erübrigen.
  • Millionäre wären von der seelisch bedrückenden, die Arbeitskraft lähmenden Suche nach geigneten Schlupflöchern / Steueroasen befreit. Sie könnten ihre Millionen sorg- und arglos in Deutschland lassen.
  • Der Raub von Bankdaten würde sich nicht mehr lohnen.
  • Datenschutz und Steuergeheimnisse blieben unberührt.
  • Dem Steuerstaat blieben viele, aufwändige, zumeist fruchtlose Steuerfahndungen erspart.
  • Steuerfahnder könnten sich wieder intensiver und erfolgreicher um die vielen, vielen “steuerbetrügenden Emmelys” kümmern.
  • “Steuerfreiheit für Millionäre” ist für den Staat kostenneutral: Null-Steuereinahmen durch Steuerflucht = Null-Steuereinnahmen durch “Steuerfreiheit für Millionäre”
  • Der arg gebeutelte Ruf deutscher Millionäre könnte fundamental wieder verbessert werden. “Steuerfreiheit für Millionäre” befreit von moralischem Druck, etwaigen Skrupeln und vor scheinheigen Legitimationsdebatten.
  • “Steuerfreheit für Millionäre” schafft schließlich wieder “Steuergerechtigkeit”: Millionäre merken, dass sich Arbeit in diesem unserem Deutschland wieder lohnt.

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Helgoland - Hoffnungsträger für DIE LINKE?

Donnerstag, 25. Februar 2010

120px-morus_bassanus_12Helgoland hat bekanntlich dank seiner grandiosen, leider noch immer ziemlich verseuchten Felsenlandschaft eine allen Stürmen trotzende Stabilität. Helgoland ist aber auch ein stabiler Hoffnungsträger der Linken.

Auf die Frage nach der Stabilität der Linken im Westen der Bundesrepublik antwortet Lothar Bisky, derzeitiger Co-Vorsitzender der Linken, in einem Interview1:

“… Wir haben im Westen auch viele sehr stabile Gruppierungen. Etwa auf Helgoland - um nur ein Beispiel zu nennen …”

Wer hätte das gedacht? Der Kontext zeigt, dass L. Bisky nicht gescherzt hat, dass er seine eigene Partei nicht durch den politischen Kakao ziehen wollte!

  1. Interview im Wortlaut in Der Tagesspiegel vom 24.2.10 []

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Die Antike, Hartz IV und der Esel

Dienstag, 16. Februar 2010

Guido Westerwelle:

Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“1

Westerwelle stieß mit dieser Meinung auf viel Zustimmung, aber auch auf Kritik:

Die spätrömische Dekadenz bestand darin, dass die Reichen nach ihren Fressgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat. Insofern stimmt Westerwelles Vergleich. Vor 100 Tagen ist ein Esel Bundesaußenminister geworden.“2

Ja, das hat der alte Jesuiten-Schüler Heiner Geißler wunderbar formuliert.

120px-donkey-06Westerwelles Eseleien nehmen kein Ende. Vielleicht ist Jürgen Möllemann sein Vorbild? Auch Möllemann fuhr damals seine FDP gegen die Wand. Bleibt zu hoffen, dass dies auch Westerwelle gelingt.

Übrigens: Es wird gemunkelt, dass Heiner Geißler ein Verfahren wegen Beleidigung droht: vom Tierschutzbund!

Und: Einem Ondit zufolge hat Westerwelle bereits Einblick in die zum Kauf angebotenen “Steuer-CD’s” nehmen können. Seine Reaktion: Blässe. Niemals ankaufen! Weniger der Rechtsstaat käme in Verruf, als vielmehr er selbst, seine Parteispender und Geschäftsfreunde, die FDP-Klientel

  1. div. Pressemitteilungen []
  2. Heiner Geißler, zit. in: Der Tagesspiegel vom 15.2.10 []

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Schweizer Konten

Sonntag, 14. Februar 2010

… und wie reagiert nun der Schweizer Nationalrat Alfred Heer auf einen Ankauf der “Steuer-CD’s“?

Er holt einen scharfen Pfeil aus seinem Köcher und droht:

“Falls Deutschland gestohlene Bankdaten kauft, werden wir auf eine Gesetzesänderung hinarbeiten, dass sämtliche Schweizer Konten von deutschen Personen, die öffentliche Ämter bekleiden, offengelegt werden müssen.”1

Na ja, das mag eine etwas überzogene Drohung sein. Andererseits: Warum eigentlich nicht? “Deutsche Personen, die öffentliche Ämter bekleiden,” werden doch wohl nichts zu befürchten haben …

  1. aus: Der Tagesspiegel vom 14. 2.10 []

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Paragraphen

Freitag, 12. Februar 2010

Die “Steuer-CD” muss gekauft werden!

Die CD enthält Daten nicht über Steuer”sünder”, wie es oft verniedlichend heißt, sondern über Steuerbetrüger. Es geht um Multimillionäre, um betrügerische Eliten der Gesellschaft. Diesen Eliten darf der Betrug in zigfacher Millionenhöhe nicht nachgesehen werden. Sie dürfen nicht auf den Schutz politisch-juristischer Puristen hoffen.

76-justitiaRecht und Gesetz stehen nicht im luftleeren Raum. Auch Recht und Gesetz sind in einer repräsentativen Demokratie Ausdruck einer demokratischen Willensbildung durch den legitimierten Gesetzgeber und im großen und ganzen eines demokratischen Konsenses. Diesem demokratischen, Recht und Gesetz verändernden Prozess sind lediglich einige eherne, menschenrechtlich verankerte Grundrechte entzogen. Der Ankauf der angebotenen CD zur Aufdeckung von millionenschweren Steuerbetrügereien zählt nicht zu den “unveräußerlichen Rechten” in einer modernen Demokratie!

In der heutigen Demokratie der Bundesrepublik sollte sich mit großer Mehrheitimages das Prinzip steuerpflichtiger Gleichheit auch gegenüber den überreichen Eliten durchsetzen lassen. Ein Verstoß gegen diese besteuerungspflichtige Gleichheit muss als millionenschweres Vergehen geahndet werden.

Wie oft haben Rechtspuristen, die sich heute gegen den Ankauf der Steuer-CD und damit gegen die durch den Ankauf mögliche Ahndung der Steuerhinterziehung aussprechen, es hingenommen, wenn nach dem Opportunitätsprinzip auf Strafverfolgung verzichtet wurde? Was bedeutet in solchen Fällen “Opportunität”? Welche Interessen werden geschützt?

  • Was haben die Rechtspuristen, die heute aus vermeintlich zwingenden, rechtsstaatlichen Gründen gegen den Ankauf der “Steuer-CD” auftreten, gesagt, als im Namen der Terrorismusbekämpfung Bürgerrechte Jahr für Jahr eingeschränkt wurden, z.B.: Luftsicherheitsgesetz, Einsatz von Bundeswehreinheiten im Innern, Durchlöcherung des Datenschutzes?
  • Was haben diese Puristen gesagt zur Folter, um bestimmte Aussagen zu erzwingen?
  • Was haben diese Puristen gesagt und getan zur zunehmenden Einschränkung von Arbeitnehmerrechten (Verminderung des Kündigungsschutzes, Zeitverträge, Dopinglöhne …)?
  • Der Rechtspuristik ist auch das Emmely-Urteil geschuldet. Emmely konnte bei ihrem “1,30-Euro-Verbrechen” nicht auf die wirksame Unterstützung der Rechtspuristen hoffen.
  • Die von einigen Konzernen und Handelsketten praktizierten Maßnahmen zur Ermittlung “schrecklicher Straftaten” der Beschäftigten  sind ausschließlich im Namen eines verabsolutierten, und damit überspannten Rechtsverständnisses “gerechtfertigt”.
  • Was haben diese Puristen gesagt und getan zu den jüngst vom Verfassungsgericht monierten Hartz IV-Sätzen? Hier geht es auch um Prinzipien, Rechtsprinzipien eines Rechts- und/oder Sozialstaats!

Auch in einem demokratischen Rechtsstaat dürfen Recht und Gesetz nicht verabsolutiert und damit zur alleinigen Maxime eines gesellschaftlichen Zusammenseins erklärt werden.

Die “Steuer-CD” sollte also möglichst schnell gekauft werden. Auch wenn die Fälle Lichtenstein und Schweiz dem Staat lediglich etliche Millionen hinterzogener Steuern in die Kasse spülen und der zigfache Steuerbetrug mit “unerlaubten” CD’s zukünftig leider nur etwas eingeschränkt, nicht aber verhindert werden kann.

Bert Brecht: Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?

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Doof! … Entschuldigung

Samstag, 10. Oktober 2009

Der Trick ist ganz einfach: Du bist doof …Flennen … Entschuldigung … War nicht so gemeint … Wollte dich nicht beleidigen … Alles wieder gut … Wer kennt dieses Szenario nicht aus eigener Kindheit? Welcher aufmerksame Zeitgenosse kennt nicht dieses in den Grundzügen immer gleiche Ritual?

Mindestens einmal pro Woche drängt es erlauchte Vertreter deutscher Eliten, die Diskussion zu ernsten Problemen mit undifferenzierten, dumm-dreisten Äußerungen zu belasten. Entschuldigungsrunden sind dabei einkalkuliert; sie kosten ja nichts und schaden auch nicht. Diese Typen sichern sich Karriere fördernde, doppelte Aufmerksamkeit: Eklat und Entschuldigungsfloskeln, beides medienwirksam inszeniert. Dieses Verfahren scheint immer beliebter, immer erfolgreicher zu werden.

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© K. Stuttmann

Neuestes Beispiel gibt der von den SPD-Oberen nach Berlin gerufene Finanzsenator Dr. Thilo Sarrazin. Sarrazin wurde zu Beginn dieses Jahres nach etlichen Pöbeleien in Berlin von der SPD quasi als Belohnung in den Vorstand der Deutschen Bundesbank geschickt. Dort schlüpfte er sehr schnell in die Rolle des „Provokateurs“ und erwarb sich ohne große Mühe den Titel „Der Brandstifter von der Bundesbank“.1

Ohne nachvollziehbaren Zusammenhang, ohne Sachbezug verkündet der smarte Bundesbänker Dr. Thilo Sarrazin (SPD):

70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin lehnen den deutschen Staat ab … Eine große Zahl an Arabern und Türken hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel … Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt … und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. … Ständig würden Bräute nachgeliefert“.

In den 70er und 80er Jahren hieß es in nationalkonservativen, rechtslastigen Kreisen „Das (deutsche) Boot ist voll!“. Heute skandiert Thilo Sarrazin „kein Zuzug mehr!“ und gibt damit den deutschen Stammtischen die Diskussionsvorlagen. In dieser sprachlichen Kurzform als Leitparole auch für den nächsten NPD-Wahlkampf gut geeignet. Aber – wie zu erwarten – finden sich auf Sarrazins Seite auch Leute, die in den Äußerungen Sarrazins allenfalls ein Sprachproblem sehen, wie etwa Ralph Giordano oder natürlich auch H. M. Broder.

Weitere Sarrazin-Parolen dieser Art findet man in der Zeitschrift „Lettre International“.

Sarrazin hat mit seinen unsachlichen Äußerungen großen Protest ausgelöst. Er musste zu dem in solchen Fällen bewährten Rezept greifen:

Er habe einzelne Volksgruppen nicht diskreditieren wollen. „Sollte dieser Eindruck entstanden sein (!),bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür“.2

Nein, ein Dr. Sarrazin hat wirklich nicht ahnen können, dass „möglicherweise, eventuell“ durch seine Äußerungen ein falscher Eindruck entstehen konnte! Sozialdemokratischen Bundesbänkern ist eine solche Sensibilität abhanden gekommen.

Sarrazin weiß, auch nach Rücknahmen und Entschuldigungsfloskeln bleibt immer etwas hängen. Dafür sind Stammtische und rechte Parteien sehr dankbar.

Die nächste Bonus-Zahlung ist dem Bundesbänker sicher. Sicher ist uns die nächste Beleidigung mit Entschuldigungsanhang.

Nachtrag:

Es bleibt abzuwarten, ob Justitia ihre Augenbinde zu Recht trägt, d.h. ob sie im Falle Sarrazin ähnliche Maßstäbe anlegt wie etwa im „Emmely-Fall“ oder jetzt im „Chef-Brötchen-Fall“.3

Wie auch immer entschieden wird: Ein Mann wie Sarrazin fällt sicherlich in ein warmes, weiches Nest. Er wird also nicht mit Obst und Gemüse handeln müssen.

  1. Der Tagesspiegel vom 2.10.09 []
  2. Der Tagesspiegel vom 2.10.09 []
  3. -> Der Tagesspiegel vom 9.10.09, dort auf Seite 17 - “Das verbotene Brötchen“ - weitere Beispielfälle []

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